Abstract
Etwa die Hälfte der familiären Brustkrebsfälle ist auf Mutationen der Gene BRCA1/2 zurückzuführen. Seit einigen Jahren ist es möglich, mit Hilfe prädiktiver genetischer Brustkrebsdiagnostik das Vorliegen dieser Genmutationen zu überprüfen und damit eine Aussage über ein erhöhtes Brustkrebsrisiko zu treffen. Es ist anzunehmen, dass prädiktive genetische Brustkrebsdiagnostik künftig ein Bestandteil der medizinischen Versorgung werden wird und dass neben betroffenen Frauen (Angehörige und Erkrankte) zunehmend auch nicht betroffene Frauen Interesse an prädiktiver genetischer Brustkrebsdiagnostik zeigen werden. Diese Entwicklung macht es notwendig, die Einstellung der weiblichen Allgemeinbevölkerung gegenüber gendiagnostischen Verfahren im Allgemeinen sowie gegenüber prädiktiver genetischer Brustkrebsdiagnostik im Besonderen zu untersuchen. Im Rahmen einer Fragebogenstudie wurden 469 Frauen der Allgemeinbevölkerung im Alter zwischen 18 und 65 Jahren befragt. Die Mehrheit der befragten Frauen ist weder selbst von einer Brustkrebserkrankung betroffen, noch liegen Erkrankungen in der Familie vor. Nur wenige Frauen haben eine indifferente Einstellung gegenüber gendiagnostischen Tests; ein großer Anteil befürwortet die Durchführung und gleichzeitig steht ein ähnlich großer Anteil an Frauen diesen Verfahren eher ablehnend gegenüber. Im Hinblick auf prädiktive genetische Brustkrebsdiagnostik sind Frauen bislang wenig informiert. Die Intention zur Inanspruchnahme genetischer Beratung oder Testung ist sehr gering. Unabhängig vom Ausmaß der Betroffenheit von einer Brustkrebserkrankung (Nicht-Betroffene, Angehörige, Erkrankte) nennen Frauen ähnliche Erwartungen und Befürchtungen gegenüber prädiktiver genetischer Brustkrebsdiagnostik. Beratenden Institutionen und niedergelassenen Ärzten kommt zukünftig eine besondere Bedeutung bei der Informationsvermittlung und Abklärung von Motiven zur Inanspruchnahme prädiktiver genetischer Brustkrebsdiagnostik zu.
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