Abstract
Wie in vergleichbaren Ländern hat auch in Frankreich die Rolle des Menschen in der zukünftigen industriellen Produktions- und Dienstleistungsgesellschaft in den letzten Jahren große Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Dies hat sich sowohl in bemerkenswerten Änderungen in der Praxis als auch in der begleitenden wissenschaftlichen Diskussion niedergeschlagen. In der Praxis, besonders der Großbetriebe und des staatlichen Sektors, hat dies zu einer Reihe von Modernisierungsvorhaben geführt, die die Änderung überkommener hierarchischer Formen und mangelnder Kommunikation am Arbeitsplatz zum Ziel haben.
Die Gesetzgebung von 1982 (les lois Auroux) mit ihrer Tendenz zur direkten Partizipation zielte darauf ab, sowohl die Erwartungen der Arbeitnehmer zu schüren als auch zu einem sorgsameren Umgang mit dem Personal durch die Arbeitgeber zu gelangen. Selbst wenn man heute die praktische Bedeutung der durch diese Gesetze eingeführten Partizipationsstrukturen gering einstuften muß, so geben sie doch eine Richtung zu mehr direkter Beteiligung an.
In Forschung und Lehre hat die von der amerikanischen Literatur (Canada und U.S.A) angestoßene “Gestion des Ressources Humaines” die Diskussion dominiert. Dies hat u. a. auch zu einer erheblichen Aufwertung dieses Gebietes als Studienrichtung in den “Grandes Ecoles” wie auch den universitären Aufbaustudiengängen geführt.
Sichtbarer Ausdruck dieser Entwicklung ist auch die Gründung der “Association Française de Gestion des Ressources Humaines (AGRH)” im Jahre 1989, die in bi-annualen Konferenzen jeweils zu aktuellen Fragen die Fachleute aus Wissenschaft und Praxis zusammenbringt und auch eine eigene Zeitschrift (Revue de Gestion des Ressources Humaines) herausgibt. Im Unterschied zur deutschen Szene versucht die AGRH, alle relvanten Sozialwissenschaften (nicht nur die BWL) zu integrieren, und sie ist ein gemeinsames Forum von Wissenschaftlern und wisssenschaftlich orientierten Praktikern, die - im übrigen - auch einen erheblichen Teil der akademischen Lehre in Frankreich bestreiten.
Der in diesen Entwicklungen zum Ausdruck kommende Modernisierungs- und Professionalisierungsschub ist auch als Ausdruck tieferliegender Wandlungen in der französischen Gesellschaft und Wirtschaft zu verstehen.
Der folgende Beitrag gibt einen Einblick in die aktuelle Diskussion in Frankreich. Er zeigt an neueren Entwicklungen der Projektorganisation, des TQM, des re-engineering etc. den Wandel in der Personalfunktion konkret nach und erläutert einige typische Entwicklungen der Zusammenarbeit in den teamartigen Strukturen. Der Verfasser, Dimitri Weiss, ist der wohl bekannteste Scholar auf dem Gebiet “GRH”. Er hat die erwähnten Entwicklungen kritisch begleitet und der gegenwärtigen Diskussion wesentliche Anstöße vermittelt. Er ist Professor an der Universität Paris I Panthéon-Sorbonne und Direktor der Bereiche HRM und Arbeitsbeziehungen am Institut d'Administration des Entreprises und u. a. Verfasser des einflußreichsten Lehrbuches in Frankreich (La Fonction Ressources Humaines, Paris 1988, letzte Auflage 1993).
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