Abstract
Humanisierung der Arbeit wurde lange Zeit als rein technisch-organisatorisches Problem zur Motivierung von Mitarbeitern und zur Verhinderung von Unfällen und längerfristigen Gesundheitsschäden gesehen. Unter dieser Betrachtungsweise steht jede diesbezügliche Maßnahme in ökonomischer Konkurrenz zu allen anderen technischen und organisatorischen Faktoren einer effektiven Unternehmensführung. Der vorliegende Beitrag untersucht die Entwicklung der Humanisierungsbemühungen nicht chronologisch, sondern von ihrer qualitativen Seite her und schlägt eine andere Blickrichtung vor: Humanisierung wird als Voraussetzung und Chance für die Entwicklung derjenigen Fähigkeiten betrachtet, die heute für die Bewältigung beruflicher Aufgabenstellungen benötigt wird: Initiative, Urteils- und Entscheidungsfähigkeit. Diese Betrachtung korreliert mit einer Blickveränderung, die ein Unternehmen nicht mehr als einen rein zweckrational konstruierbaren Mechanismus, sondern als eine entwicklungs- und gestaltungsfähige “Persönlichkeit” mit einem spezifischen Eigenlebene, einer charakteristischen Gestalt und einer eigenständigen, identifizierbaren Kultur betrachtet. Humanisierung und diese “organische” Betrachtung des Unternehmens bedingen einander und führen in ihrer Konsequenz zur Veränderung des Konkurrenzverhältnisses zwischen Ökonomie und Humanisierung in ein Bedingungsverhältnis.
Get full access to this article
View all access options for this article.
