Abstract
Der Beitrag präsentiert eine von der Vorstellung eines grundlegenden “Wandels” abweichende Interpretation des sogenannten Wertewandels: Nach einem groben Resümee der wichtigsten Tendenzen empirischer Befunde zur Langzeitentwicklung von auf Erwerbsarbeit bezogenen Einstellungen und der zentralen Thesen zu deren Interpretation wird argumentiert, daß die Befunde nicht bedeuten müssen, daß sich die basalen Werte in unserer Gesellschaft grundlegend verändert haben; die Befunde indizieren eher veränderte Formen der praktischen Umsetzung dieser Werte. Als Basiswerte modemer westlicher Gesellschaften werden, unter Rückgriff auf Max Weber, “Aktivismus”, “Universalismus”, “Individualismus” und “Rationalität” genannt. Diese Wertbasis wird als nach wie vor gesellschaftlich bestimmend angesehen. Es wird ausgeführt, daß die Befunde keinen Verfall der “protestantischen Ethik” anzeigen, sondern eher deren Weiterentwicklung. Eine genauere Interpretation zeigt, daß Weber mit dieser Ethik nicht eine enge Pflichtorientierung meinte, sondern für ihn eine individuelle Verantwortungsethik die entwickelte Form der protestantischen Ethik war. Die Umfragebefunde werden so interpretiert, daß sich zunehmend eine solche Verantwortungsethik gegenüber einer engen pflichtethischen Form durchsetzt.
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