Abstract
Ausgangspunkt für die folgenden Überlegungen war mein Erstaunen über die zunächst nicht übersehbare transformatorische Wirkung einer einzelnen Führungsperson in einer mittelständischen Unternehmung. Das widersprach dem Hintergrundschema eines systemischen Führungsverständnisses, vor dem ich die Ereignisse zu interpretieren versuchte. Es entsprach demgegenüber Strömungen im Zeitgeist, die im charismatischen Trouble Shooter a’ la Iacocca oder im neuen Manager esoterischen Zuschnitts auf die Führungsperson abstellende Erklärungsmuster für ein Phänomen anbieten, das gemeinhin mit Führung bezeichnet wird. Der Widerspruch zwischen der Erkenntnis komplexer Zusammenhänge, die monokausale Steuerungsvostellungen als Mythos entlarven und dem hartnäckigen Überleben von Ansätzen, die Führungspersonen und Geführten erlauben, sich als Täter resp. Opfer zu erleben, scheint mir nur durch die Aufgabe einer realistisch-positivistischen Position auflösbar: Führung ist dann als durch Interaktion und soziale Zuschreibung konstitutiertes Phänomen zu verstehen. Solche Phänomene unterliegen bezüglich ihrer Erforschung einer nicht durchbrechbaren Zirkelschlußproblematik, die durch Forschungsmethodik gemildert, nicht aber prinzipiell aufgehoben werden kann. Die Aufhebung findet im Ansatz gerade durch die als voraussetzungsvoll zu beklagende externe Position der Forscher statt, weil letztere einen Austausch subjektiven Erlebens und Verständigung (Metakommunikation) über Unterschiede in diesem Erleben möglich macht.
Aus dieser Perspektive wird im vorliegenden Fall zuletzt sogar fraglich, ob die auf der symbolischen Ebene stark betonten Veränderungen tatsächlich so auf die materielle Ebene durchschlagen, daß von transformatorischer Führung gesprochen werden kann.
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