Abstract
Vor dem Hintergrund der neuropsychologischen „Theorie oszillierender Systeme” von Langner wurde die Frage untersucht, ob es interkulturell invariante Beurteilungskriterien füml;r die Qualitäml;t einer Rhythmusperformance gibt. In einer interkulturellen Rhythmusstudie wurden hierzu zwei Experimente mit deutschen und ghanaischen Versuchspersonen (Meistertrommler) durchgefüml;hrt: In einem Rating-Experiment (Experiment 1) beurteilten afrikanische Trommler (n = 12) jeweils drei Performances von sechs europäml;ischen Rhythmen, gespielt von europäml;ischen Schlagzeugern. Diese Performances wurden in drei Qualitäml;tsstufen vorgespielt: In schlechter, in mittlerer und in guter Performancequalitäml;t. Die Klassifikation in die jeweilige Qualitäml;tsstufe erfolgte in einem Vorexperiment durch europäml;ische Beurteiler. Füml;r alle sechs Rhythmen ergab sich eine hochsignifikante Korrelation von r (16) = 0, 63 zwischen den europäml;ischen und afrikanischen Urteilern. Die Urteilsäml;hnlichkeit füml;r die drei in beiden Kulturen relativ vertrauten Rhythmen ergab sogar eine Korrelation von r (7) = 0, 85. In Experiment 2 spielten die gleichen afrikanischen Vpn (n éls; 11) die sechs zuvor bewerteten Rhythmen unter Verwendung der Play-along-Methode nach. Die Analyse der Rhythmusperformance afrikanischer Trommler ergab als ein charakteristisches Merkmal eine Off-beat-Struktur und einen Drive-Effekt, der durch die Betonung von nach europäml;ischem Verstäml;ndnis unbetonten Taktteilen entstand. Schwierigkeiten bereitete die Performance des Bolero-Rhythmus, eines viertaktigen durchkomponierten Rhythmus sowie die eines Siebener-Taktes. Die Ergebnisse dieser Experimente geben sowohl Hinweise auf die Existenz von Wahmehmungsuniversalien (so z. B. bei der Performancebeurteilung) als auch auf kulturspezifische Unterschiede (so z. B. bei der Rhythmusperformance).
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