Abstract
Vorangegangene Untersuchungen haben gezeigt, dass kardiovaskulare Reaktionen beim Musikhoren nicht nur durch Eigenschaften der Musik, sondern auch durch die Biographiedes Rezipienten beeinflusst werden können. In der vorliegenden Studie sollten die emotionalen und kardiovaskulären Wirkungen von „frohlicher” und „trauriger” Musik bei Musikern und Nichtmusikern untersucht werden. Es wurde erwartet, dass Musiker eine ausgeprägtere Reaktivität aufweisen als Nichtmusiker, und dass sich die Reaktionsmuster zu „fröhlicher” und „trauriger” Musik voneinander unterscheiden. Insgesamt 55 männliche und weibliche Musiker und Nichtmusiker nahmen an der Studie teil. Den Probanden wurden in Blocks von 2 Minuten Auszuge aus je drei fröhlichen bzw. traurigen Musikstücken dargeboten. Dabei wurden jeweils subjektive Beurteilungen der Musikstücke und die positiven und negativen Affektreaktionen erfragt, sowie die kardiovaskularen Reaktionen impedanzkardiographisch aufgezeichnet. Die Ergebnisse zeigten, dass sich die intendierten Emotionen der Musik sowohl in denUrteilen uber die Musikstücke als auch in den affektiven Reaktionen der Probanden widerspiegelten. Physiologisch reagierten die Nichtmusiker zwar mit geringerer sympathischer Aktivierung als die Musiker, doch zeigten sich bei letzteren keine Anzeichen einer psychischoder physisch erhohten Reagibilitat auf die Musik. „Frohliche” und „traurige” Musikstückeführten lediglich zu unterschiedlichen Effekten in der respiratorischen Sinusarhythmie. Darüber hinaus traten unabhängig von Emotion, Musikbiographie und Geschlecht deutliche Interaktionseffekte zwischen Reihenfolge und Emotion in acht von vierzehn kardiovaskularen Parametern auf. Unsere Ergebnisse legen eine tonische Komponente in der physiologischen Reagibilität nahe. Diesem Zeiteffekt scheinen musikalische bzw. musikbiographisch bedingte Einflüsse nur untergeordnet zu sein.
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